WOHNEN | ADHS im Büroalltag
Wie Bewegung die Konzentration nachhaltig verbessert - Für viele Menschen mit ADHS stellt der Büroalltag eine besondere Herausforderung dar. Vor allem in modernen Arbeitsumgebungen wie Großraumbüros führen zahlreiche akustische und visuelle Reize schnell zu einer Überforderung. Gleichzeitig wird der natürliche Bewegungsdrang durch langes, starres Sitzen stark eingeschränkt – mit direkten Auswirkungen auf Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.
Dabei zeigt sich immer deutlicher: Bewegung ist kein Störfaktor, sondern ein zentraler Schlüssel für produktives Arbeiten mit ADHS.
Was bedeutet ADHS im Arbeitskontext?
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Besonderheit, die sich unter anderem durch folgende Kernsymptome äußert:
- Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, den Fokus zu halten, schnelle Ablenkbarkeit und Herausforderungen bei Organisation und Zeitmanagement
- Hyperaktivität: Ausgeprägter Bewegungsdrang und innere Unruhe, insbesondere bei sitzenden Tätigkeiten
- Impulsivität: Spontanes Handeln, geringe Geduld und teils intensive emotionale Reaktionen
Zusätzlich berichten viele Betroffene von erhöhter Stressanfälligkeit, Schlafproblemen oder sogenannten Hyperfokus-Phasen – Zuständen intensiver Konzentration, in denen Aufgaben mit außergewöhnlicher Tiefe bearbeitet werden.
Wichtig ist dabei: Die Aufmerksamkeitssteuerung ist bei ADHS nicht gestört, sondern funktioniert anders. Sie reagiert stärker auf Interesse, Bewegung und äußere Reize.
Warum klassische Büros ADHS-Symptome verstärken
Typische Bürostrukturen sind selten auf neurodiverse Bedürfnisse ausgelegt. Geräusche, Bewegungen im Raum oder Gespräche werden oft ungefiltert wahrgenommen und unterbrechen kontinuierlich den Arbeitsfluss.
Hinzu kommt:
Herkömmliche Bürostühle fördern eine starre Sitzhaltung. Für Menschen mit ADHS bedeutet das, dass der natürliche Bewegungsdrang unterdrückt wird – was innere Unruhe und Konzentrationsprobleme zusätzlich verstärken kann.
Studien zeigen, dass rund 4,7 % der Erwachsenen in Deutschland von ADHS betroffen sind. Das betrifft also auch einen relevanten Anteil der Erwerbstätigen – und damit Unternehmen direkt.
Bewegung als entscheidender Erfolgsfaktor
Bewegung unterstützt gezielt die Prozesse im Gehirn, die bei ADHS eine zentrale Rolle spielen. Bereits kleine, kontinuierliche Bewegungsimpulse – sogenannte Mikrobewegungen – können einen großen Unterschied machen.
1. Stressreduktion und emotionales Gleichgewicht
Bewegung fördert die Ausschüttung von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe sind entscheidend für Motivation, Stimmung und Aufmerksamkeit und tragen dazu bei, Stress und Überforderung zu reduzieren.
2. Verbesserte Konzentration
Durch Bewegung wird die Durchblutung gesteigert und das Gehirn besser mit Sauerstoff versorgt. Das führt zu mehr Wachheit und einer stabileren Fokussierung.
3. Weniger innere Unruhe
Regelmäßige Mikrobewegungen helfen, den Bewegungsdrang auf natürliche Weise auszugleichen. Dadurch entsteht weniger innerer Druck – und mehr Raum für konzentriertes Arbeiten.
4. Bessere Selbstregulation
Aktive Sitzlösungen fördern die Körperwahrnehmung und unterstützen die Fähigkeit, sich selbst besser zu regulieren – ein entscheidender Faktor im Umgang mit ADHS.
Aktives Sitzen als Lösung im modernen Büro
Ergonomische Büromöbel, die Bewegung ermöglichen, setzen genau hier an. Statt den Körper zu fixieren, fördern sie natürliche Bewegungsabläufe auch im Sitzen.
Ein Beispiel dafür ist das Konzept des aktiven Sitzens:
- Bewegung in mehrere Richtungen
- Dynamisches Auf- und Abfedern
- Aktivierung des Kreislaufs
- Förderung der Sauerstoffversorgung
Diese Art des Sitzens integriert Bewegung intuitiv in den Arbeitsalltag – ohne zusätzliche Unterbrechungen oder bewusste Anstrengung.
Vorteile für Unternehmen und Mitarbeitende
Unternehmen profitieren direkt davon, wenn Arbeitsplätze bewegungsfreundlich gestaltet werden:
- Höhere Konzentration und Produktivität
- Reduzierter Stress und bessere Arbeitsqualität
- Stärkere Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung
- Förderung von Inklusion und moderner Unternehmenskultur
Für Mitarbeitende mit ADHS bedeutet dies vor allem: Ihre natürlichen Bedürfnisse werden nicht als Störung betrachtet, sondern als Teil eines funktionierenden Arbeitsprozesses integriert.
Fazit:
Bewegung ist für Menschen mit ADHS kein optionaler Zusatz, sondern ein essenzieller Bestandteil erfolgreichen Arbeitens. Sie hilft, innere Unruhe zu regulieren, die Konzentration zu steigern und den Arbeitsalltag nachhaltig zu verbessern.
Moderne Bürokonzepte sollten daher verstärkt auf dynamische Lösungen setzen, die Bewegung ermöglichen und fördern. Denn Arbeitsplätze der Zukunft orientieren sich nicht mehr an starren Normen – sondern am Menschen selbst.




